Was ist Schematherapie?

Die Schematherapie ist ein integratives Psychotherapieverfahren zur Behandlung von komplexen und tiefgreifenden psychischen Störungen.

Als schulenübergreifendes Verfahren verbindet die Schematherapie verhaltenstherapeutische und psychodynamische Elemente, ergänzt um Erkenntnisse aus Bindungsforschung und Neurobiologie: Die frühen interaktionellen Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen prägen zeitlebens die Erwartungen an und die Wahrnehmung und Interpretation von zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie die Haltung und das Empfinden der eigenen Person gegenüber. Die frühen Erfahrungen „brennen“ sich (als synaptische Netzwerke und Reaktionsmuster) ein und leiten das Erleben und Verhalten auch dann noch, wenn Lebensumstände und Interaktionspartner sich verändert haben. Insgesamt wird das Erleben und Verhalten deutlich stärker als gesteuert von emotionalen Grundbedürfnissen und Gefühlen verstanden, als in der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie. Mit ihrem Fokus auf Emotions- und Erlebnisaktivierung wird die Schematherapie auch als ein Verfahren der sogenannten „dritten Welle“ bezeichnet.

Zentrale Therapieprinzipien sind

  • die begrenzte elterliche Fürsorge bzw. „begrenzte Nachbeelterung“
  • der Einsatz des einheitlichen metakognitiven Modusmodells zur Prozess- und Selbstregulation
  • empathische Konfrontation mit dysfunktionalen Modi
  • die fokussierte Verwendung erlebnisaktivierender, kognitiver und übender Techniken

Verschiedene Wirksamkeitsstudien dokumentieren sehr gute Effekte der Schematherapie.

Ziel der Weiterbildung?

Die Weiterbildung zum/zur Schematherapeut*in bietet Psychotherapeut*innen aller Schulen eine wirksame und nachhaltige Möglichkeit zur Behandlung von Menschen mit Persönlichkeitsstörungen und chronischen psychischen Störungen, bei denen herkömmliche Methoden sich als nur begrenzt hilfreich erweisen bzw. immer wieder mit Phänomenen wie „Widerstand“, Stagnation, Frustration und Störungen der therapeutischen Beziehung einhergehen. Darüber hinaus kann die Schematherapie grundsätzlich bei allen psychischen Störungen der Ansatz der Wahl sein, wenn es darum geht, tief verwurzelte maladaptive oder dysfunktionale innere Muster zu verändern und günstigere Alternativen aufzubauen, um die Vulnerabilität für Rückfälle und Chronifizierung zu reduzieren. Patient*innen profitieren von einem wertschätzenden und einfühlsamen Gegenüber, das bestehende Schwierigkeiten und Symptome nicht pathologisiert, sondern in eine gesamte lebensgeschichtliche Entwicklung einordnet und als (dysfunktional gewordene, ursprünglich aber hilfreiche) Bewältigungsstrategien für nicht-bedürfnisgerechte Umstände in Kindheit und Jugend würdigt (bevor sie verändert werden).

Im Rahmen der Weiterbildung erwerben Psychotherapeut*innen theoretisches Wissen und eignen sich praktisch anwendbare Tools zur Gestaltung eines äußerst lebendigen, effektiven und auf nachhaltige Veränderung abzielenden Therapieprozesses an.