Dysfunktionale kindliche Modi

VERLETZBARKEIT

Einsames Kind

Intensives Gefühl der Einsamkeit. Durch Frustration grundlegender Bedürfnisse (z.B. Mangel an emotionale Wärme, Invalidierung) entsteht ein Gefühl der Leere und die tiefe Überzeugung, dass der Ausdruck von Bedürfnissen und Gefühlen nicht erwünscht ist und bei anderen auf Ablehnung stößt.

Verlassenes oder missbrauchtes Kind

Gefühle der Traurigkeit, Ängstlichkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit nach Missbrauch oder Vernachlässigung bis hin zum Verlassenwerden. Schweres emotionales Leid führt zur Regression, dem Gefühl, alleine zu sein, und der Sehnsucht nach elterlicher Fürsorge.

Dependentes Kind

Gefühl der Überforderung führt zu Hilflosigkeit, Ohnmacht und Regression sowie dem starken Wunsch nach Unterstützung durch andere.

 

ÄRGER

Ärgerliches Kind

Ärger, Zorn und Ungeduld als Resultat der Frustration grundlegender Bedürfnisse. Die inadäquate Äußerung des Ärgers kränkt und vergrault Mitmenschen.

Wütendes Kind

Als Folge von erfolglosen Durchsetzungs – und Behauptungsversuchen kommt es zu starkem, unkontrolliertem Ausdruck von Wut und Zorn bis hin zu gegen Mitmenschen oder Gegenstände gerichteter Zerstörungswut.

 

MANGEL AN DISZIPLIN

Impulsives Kind

Patienten erscheinen verzogen und ziehen kurzfristige Belohnung der Erreichung langfristiger Ziele vor. Ichbezogenes Verhalten mit der unmittelbaren Erfüllung eigener Bedürfnisse ohne Rücksicht auf Mitmenschen oder negative Konsequenz induziert durch mangelhafte oder fehlende Beschränkungen in der Kindheit.

Undiszipliniertes Kind

Patienten können nicht „bei der Sache bleiben“. Hinzu kommen innere Anspannung und Leerlaufmotorik. Bei der Bearbeitung von Aufgaben kommt es nach kurzer Zeit zu Entmutigung und Resignation.

Dysfunktionale Elternmodi

Strafende Elternmodi

Häufige Äußerung in Selbsthass, Selbstkritik und negativer Selbstbewertung. Selbstbestrafung durch selbstverletzendes Verhalten, Selbstschädigung, oder suizidale Gedanken bzw. Handlungsimpulse. Innere kritische Stimme eines Elternteils, die sehr unnachgiebig und streng ist. Patienten erleben ihre legitimen Bedürfnisse und deren Ausdruck als Anlass zur Bestrafung.

Fordernde Elternmodi

Innere Stimme, die überhöhte Anforderungen stellt bis hin zur Einforderung von Perfektion. Eigene Bedürfnisse wie Freude, Spontaneität und Entspannung werden vernachlässigt. Es kommt in der Folge zu Unterwerfung und Aufopferung für andere.

Maladaptive Bewältigungsmodi

UNTEWERFUNG

Kapitulation oder bereitwilliges Unterwerfen (Compliant Surender)

Suche nach Anerkennung der Mitmenschen durch Unterwerfung und Zurückhaltung bis hin zur Rückstellung der eigenen Grundbedürfnisse.

 

VERMEIDUNG

Distanzierter Beschützer (Detached Protector)

Wenn Leid entsteht, das weder durch eine Veränderung der Umstände noch durch eigene Anpassung verhindert werden kann, wird emotional Abstand genommen. Die Affekte scheinen isoliert, im Kontakt sind Patienten abweisend und es kommt zu Unwirklichkeitsgefühlen, emotionaler Leere und dissoziativen Zuständen.

Vermeidender Beschützer (Avoidant Protector)

Vermeidung von Konflikt-, Beschämungs-, Bewertungs- und Leistungssituationen. Auch intensive Sinneseindrücke und Emotionalität werden gemieden.

Distanzierende Selbstberuhigung oder –stimulation (Detached Self-Soother)

Zur Unterdrückung von Gefühlen und Spannungsreduktion kommt es zu zwanghaften oder suchtartigen Verhaltensweisen, um eine dauernde Beschäftigung oder eine Besänftigung zu erreichen. Beispiele können Fernsehen, Computerspielen, Drogenkonsum oder exzessives Arbeiten sein.

Ärgerlicher Beschützer (Angry Protector)

Nicht authentisch wirkender Ärger oder Feindseligkeit geprägt von Zurückweisung und Distanzierung. Während eigene Probleme behandelt werden sollten, werden andere Personen und äußere Umstände gescholten.

Insbesondere bei somatoformen Störungen kann intensives Klagen und Jammern über Schmerzen und schlechte Stimmung (Klagsamer Beschützer; Complaining Protector) andere auf Abstand halten ohne das der Kontakt ganz verloren geht.

 

ÜBERKOMPENSATION

Selbst-Überhöhung (Self-Aggrandizer)

Kennzeichnend sind starker Egozentrismus, kompetitives und abwertendes Verhalten in sozialen Situationen sowie fehlendes Einfühlungsvermögen. Es besteht die Vorstellung grandios und etwas Besonderes zu sein und sich nicht an Regeln halten zu müssen. Tritt häufig bei narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen auf.

Suche nach Aufmerksamkeit und Bestätigung (Attention-Seeker)

Penetrantes oder dramatisches Auftreten mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erhalten. Das Verhalten wirkt oft aufgesetzt und künstlich und kann auch sexualisiert sein. Tritt verstärkt bei histrionischen Persönlichkeitsstrukturen auf.

Übermäßige perfektionistische Kontrolle (Perfectionistic Overcontroller)

Extremes Kontrollbedürfnis und erhöhte Vigilanz zum Schutz vor Bedrohungen im Sinne von Fehlern, Schuld oder Unglück.

Übermäßig misstrauische Kontrolle (Paranoid Overcontroller)

Extremes Kontrollbedürfnis und erhöhte Vigilanz aufgrund von Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Ständige Überprüfung anderer auf böswillige Absichten oder Fehler.

Einschüchterer (Bully and Attack)

Häufig führen Überkompensation eines Missbrauchs oder die Angst davor dazu, dass Patienten andere mutwillig attackieren und ihnen schaden. Hinzu kommt das Bedürfnis, Macht auszuüben, bis hin zu sadistischen Verhaltensweisen.

Gerissener Täuscher (Cunning Mode)

Verfolgt stets egoistische Absichten; möchte jedoch gleichzeitig vor anderen gut dastehen. Hierfür greifen Patienten zu unlauteren Mitteln wie Lügen, Täuschung und Blendung. Der Modus lässt sich häufig im forensischen Bereich finden.

Raubtier- / Killer-Modus (Predator Mode)

Dieser Modus tritt bei kriminellen Patienten auf. Opfern wird willentlich und unbarmherzig Schaden zugefügt, wenn diese der Zielerreichung des Patienten in die Quere kommen. Der Affekt ist dabei kalt. Dieses beinhaltet insbesondere physische Gewalt bis hin zur Tötung.

Funktionale Modi

Glückliches Kind

Die emotionalen Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Zuneigung und entgegengebrachtes Verständnis sind erfüllt. Zufriedenheit, Geborgenheit und ein positives Selbstbild sind kennzeichnend.

Gesunder Erwachsener

Führung eines angemessenen, funktionalen Erwachsenenlebens mit Familie, Beruf, Verantwortung und erfolgreicher Bewältigung von Herausforderungen. Dieser Modus ist in der Lage, die einzelnen genannten Modi bzw. deren Bedürfnisse und Potentiale zu integrieren.

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